Der ursprüngliche Zweck der Bikur Cholim-Gesellschaft bestand darin, gesunde Einwohner

Sir Moses Montefiore, ein prominenter Unterstützer der Gesellschaft, entsandte Dr. Simon Fränkel nach Jerusalem, der in seinem Gepäck Medikamente für die erste Apotheke Jerusalems mit sich führte. Die speziellen Apothekenwaagen und die Uhr, welche von Sir Moses geschickt worden waren, sind noch heute in der Apotheke des Bikur Cholim-Krankenhauses zu besichtigen.
Die außerordentliche Überbevölkerung der Stadt veranlasste die Gesellschaft zur Errichtung eines Gebäudes, welches ausschließlich der Versorgung von Kranken gewidmet sein sollte. Im Jahre 5614 (1854) erwarb man ein Gebäude, welches als vorübergehendes Domizil diente, bis man später in der Altstadt ein endgültiges Bauwerk errichten konnte. Der vertraglich verpflichtete Arzt sah die Patienten allerdings nur dreimal in der Woche, so dass die Patienten im Notfall einen privaten Arzt konsultieren mussten, der ein Honorar von 10 Piastern verlangte.

Ein Zeitzeuge beschreibt die Eröffnung dieses großen Krankenhaus im Jahre 1885 folgendermaßen: "Die beiden oberen Geschosse dienen der Aufbewahrung von Medikamenten und als Wohnräume für das Personal. Es gibt einen Wärter für die Todkranken und einen Raum, in welchem der Arzt Patienten für eine Untersuchung empfangen kann."
Die dringende Notwendigkeit für ein Krankenhaus zeigte sich anlässlich der Cholera-Epidemie, welche nur ein Jahr später ausbrach. Das Krankenhaus konnte die meisten Einwohner vor dem Tode retten. Der Bedarf überstieg die Kapazität des Krankenhauses bei weitem und führte zu hohen Schulden.
Zu Beginn des Jahres 5633 (1873) reisten zwei der Vertreter der Gesellschaft, nämlich Rabbiner Joel Mosche Solomon sowie Rabbiner Schlomo Salman Levi nach Deutschland. Dort trafen sie Rabbiner J.D. Bamberger (Würzburg), Baron Simon Wolf Rothschild, Rabbiner Samson Rapahel Hirsch sowie Dr. Lehmann (Mainz). Sie appellierten an die Führer der deutschen Juden, sich für die medizinischen Bedürfnisse der Bewohner Jerusalems einzusetzen. Man begründete eine Partnerschaft zur Unterhaltung des Krankenhauses durch die deutschen Juden und man entwarf Pläne für weitere Krankenhäuser. Durch diese Bemühungen wurde der Gesellschaft ab 1871 die offizielle Patenschaft des deutschen Konsulates zuerkannt.
Mit Unterstützung des deutschen Konsulates wurde ein Stück Land zwischen dem Deutschen Krankenhaus und dem neuen Deutschen Konsulatgebäude erworben. Dies geschah um die Kontinuität deutscher Einrichtungen sicherzustellen. Die deutsche Patenschaft wurde auch innerhalb der Altstadtmauern bis zum Jahr 1948 gewährleistet, als die Altstadt von Jordanischen Truppen besetzt wurde.

Die feierliche Grundsteinlegung des neuen Krankenhauses erfolgte im Jahre 5672 (1912). Der Erste Weltkrieg unterbrach die Bauarbeiten und während des I. Weltkrieges versorgte das überfüllte Krankenhaus in der Altstadt jene, welche seiner bedurften. Das Bauwerk wurde schließlich im Jahre 1925 vollendet und das neue Gebäude (heute Strauss Street) wurde im Beisein des Britischen Hochkommissars, Sir Herbert Samuel, in einer feierlichen Zeremonie seiner Bestimmung übergeben.
Das Bikur Cholim Hospital spielte eine zentrale Rolle nach den Pogromen von 5689 (1929), als ein Strom von Verwundeten aus Hebron und Mozza eintraf. Während des Unabhängigkeitskrieges, (1948) als die Straße zum Hadassah Krankenhaus auf dem Scopusberg abgeschnitten war, wurden zahlreiche Verwundete im Stadtzentrum zum Bikur Cholim Krankenhaus geschickt. Während des Sechs-Tage-Krieges (1967) spielte das Krankenhaus wiederum eine wichtige Rolle und wurde für seine Arbeit von der Regierung besonders belobigt.
Mit der Befreiung der Altstadt im Jahre 1967 begaben sich die Leiter des Krankenhauses an die Stätte, an welcher das Alte Krankenhaus gestanden hatte. Betrübt mussten sie feststellen, dass nur noch Ruinen zurückgeblieben waren.

Seit vor mehr als 75 Jahren das Krankenhaus in der Strauss Straße seine Pforten öffneten sind Tausende Menschen aller ethnischen Gruppen und Religionen zu uns gekommen um medizinische Hilfe zu erhalten und gesund zu werden. Viele weltberühmte Ärzte haben an diesem Krankenhaus gearbeitet, wie etwa Professor Tsondak oder Frau Dr. Helena Kagan, beide Träger des israelischen Preises für Medizin. Diese Ärzte haben Generationen junger Ärzte begleitet.
Bemühungen das Krankenhaus dauernd zu verbessern und seinen Platz in der ersten Reihe der israelischen Medizin zu halten, bringen massive Finanzierungsprobleme mit sich. Um dieser Herausforderung zu begegnen, müssen dringend neue Geldquellen erschlossen werden, um medizinische Ausrüstung anzuschaffen und den hervorragenden Ruf des Krankenhauses zu sichern.
Wie in der Vergangenheit unterziehen sich die leitenden Gremien des Bikur Cholim Hospitals der Aufgabe, die notwendigen Gelder aufzubringen, um die Pläne für die Weiterentwicklung des Krankenhauses zu verwirklichen. So wird das Bikur Cholim Hospital auch in Zukunft den Menschen im Zentrum Jerusalems eine zeitgemäße medizinische Versorgung anbieten können.

Das Bikur Cholim Hospital wurde neben den Einrichtungen von Jaffa, Petach Tikvah, Nes Zion und Sichron Jaakov zu einem der wichtigen medizinischen Zentren Israels.